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7. Internationaler Gebetstag, Amsterdam 2005



Homilie von
S. E. Msgr. Paul Maria Hnilica SJ, Rom
Titularbischof von Rusado

Die Macht des aus Liebe aufgeopferten Leidens
Johannes Paul II.
- Beispiel eines Menschen, der die Liebe bis zum Äußersten gelebt hat

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt, liebe Priester,
liebe Pilger,

nie in der Geschichte der Menschheit war die Welt so geeint, wie in den letzten Tagen des Leidens und Sterbens von Papst Johannes Paul II. Auf der ganzen Welt betete man für ihn, Juden und Christen ebenso wie auch Moslems.
Aus allen Nationen kamen Jung und Alt, um ihrem geliebten Heiligen Vater die letzte Ehre zu erweisen und ihn ein letztes Mal zu sehen. Staatsoberhäupter, die als Erzfeinde gelten wie der syrische Präsident Baschar al-Assad und Israels Präsident, Mosche Katzav, haben sich zugelächelt und einander die Hände gereicht.

Was bewog 4 Millionen Menschen aus aller Welt, die unglaublichen Strapazen der Reise und des Wartens auf sich zu nehmen? Was vereinte jene, die sich seit Jahrzehnten nur mit Vorurteilen begegneten oder einander sogar feindlich gesonnen waren?
Es ist die bedingungslose Liebe, die Johannes Paul II. aus seinem Vaterherzen allen unterschiedslos geschenkt hat. Eine Liebe, die von Gott kommt und zu Gott führt. Diese Gnade hat er als Guter Hirte durch die Hingabe seines Lebens errungen.

Wir alle waren Zeugen, wie er seit dem Attentat 1981 immer von Leiden gezeichnet war, die er in der Öffentlichkeit nie verschwieg. Denn er verstand so gut die verwandelnde und erlösende Macht des miterlösenden Leidens und zählte darauf.
Im Hinblick auf das Attentat sagt er: „Christus hat für uns alle gelitten und hat dem Leiden einen neuen Sinn gegeben. Er hat es in eine neue Dimension gesetzt, in … die Ordnung der Liebe. Das Leiden verbrennt und verzehrt das Böse mit der Flamme der Liebe und bringt auch aus der Sünde viele … Blüten des Guten hervor.“ Diesen Glauben lebte Johannes Paul II. Deshalb ist die Botschaft seines Leidens und seines Schweigens so vielsagend und fruchtbar gewesen.

Erzbischof Angelo Comastri, der vor drei Jahren die geistlichen Exerzitien für den Papst und die Kurie halten durfte, konnte wenige Stunden vor dem Heimgang beim Heiligen Vater sein. Er berichtet von dieser Begegnung: „Als ich vor den Papst hintrat, spürte ich eine unbeschreibliche Rührung…. Der Anblick eines solchen Leidens ließ mich zu ihm sagen: Du bist wahrhaftig bis zum Ende der Stellvertreter Christi auf Erden - in dieser Passion, die Du durchmachst, und die alle Welt aufbaut und so tief bewegt. … Mit seinem Leiden hat der Papst die schönste Enzyklika seines Lebens geschrieben, denn er ist Jesus bis zuletzt treu geblieben.“

Papst Johannes Paul II. war ganz durchdrungen von der christlichen Botschaft des miterlösenden Leidens. Am Karfreitag dieses Jahres ließ er folgende Worte verlesen: „Die Anbetung des Kreuzes lädt uns dazu ein, eine Verpflichtung auf uns zu nehmen, der wir uns nicht entziehen können: die Sendung, von der der heilige Paulus spricht, wenn er sagt: „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1, 24). Auch ich opfere meine Leiden auf, damit sich der Ratschluss Gottes erfüllt und sein Wort zu allen Menschen gelangt. … Am Gedenktag des gekreuzigten Christus schaue ich mit euch auf das Kreuz, bete es an und wiederhole die Worte der Liturgie: „O crux, ave spes unica!“ Heiliges Kreuz, unsere einzige Hoffnung, schenke uns Geduld und Mut und erlange der Welt den Frieden.“

Denken wir da nicht unwillkürlich an die Worte der Mutter aller Völker, die uns sagt: „Die Völker der ganzen Welt werden nicht eher Ruhe finden, bis sie … in Ruhe aufblicken zum Kreuz, dem Mittelpunkt dieser Welt.“ (31. Mai 51) Es ist das Kreuz, das uns rettet. Deshalb müssen wir dankbar sein, wenn auch wir das Kreuz in unserem Leben spüren.

Johannes Paul II. war ein Priester, ein Papst mit dem Herzen Jesu. In großer Demut und mit Achtung begegnete er jedem Menschen gleich welcher Rasse oder Religion. In der Liebe machte er keine Unterschiede. Denn er wusste, Jesus, der Gute Hirte hat sein Leben für alle Menschen hingegeben. So wollte auch er allen Vater sein, um alle unter der einen Wahrheit zu vereinen. Er ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie demütige Liebe und miterlösendes Leiden Einheit bewirken. Das war und ist seine Anziehungskraft. Bei seinem Sterben durften wir Zeugen werden, wie sich das Wort des Herrn vor unseren Augen verwirklicht hat: „Wenn ich am Kreuze erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen!“ (frei zitiert nach Joh 12,32).

Ich selbst konnte mehrmals lange am aufgebahrten Leichnam dieses großen Papstes beten und ich spürte eine innige geistige Verbundenheit. Es waren meine längsten Audienzen. In dieser Zeit ich habe ihm versprochen, sein Erbe weiterzuführen, und ich möchte Sie alle einladen, mir dabei zu helfen.

Ich erinnerte mich - im Angesicht des verstorbenen Papstes - an einen meiner Mitbrüder, der auch Karol hieß. Er war noch Seminarist bei den Jesuiten als er unter kommunistischer Herrschaft gefangen genommen wurde. Man brachte ihn von einem Konzentrationslager ins andere. Doch nichts konnte seine Sehnsucht zum Schweigen bringen, einmal als Missionar nach Indien zu gehen und den Menschen dort Jesus zu bringen. Bei einem Arbeitsunfall wurde er unter der Erde verschüttet und blieb drei Tagen ohne Bewusstsein. Als er erwachte, waren seine ersten Worte: „Kann ich nach Indien gehen!“ Doch Monat für Monat wurde klarer, dass er vielleicht nie mehr aus diesen Arbeitslagern herauskommen wird. Deshalb schickte er mir im Geheimen sein Tagebuch und sein Missionskreuz. Er ließ mir ausrichten: „Dieses Kreuz habe ich als Jesuit bekommen. Bitte nehmen Sie es an sich. Wenn in einem Kampf der Bannerträger fällt, übernimmt sofort ein anderer die Fahne und der Kampf geht weiter bis zum Sieg. Es ist nicht entscheidend, wer das Banner trägt, entscheidend ist, dass es bis ans Ende getragen wird. Nehmen Sie also bitte mein Kreuz, unser Kampfesbanner, zu sich. Wenn Sie eines Tages nach Indien kommen sollten, lassen sie es dort in einer Missionsstation. Ich werde hier für dieses Volk beten und leiden.“

Dieses Ereignis kam mir in Erinnerung, während ich beim Leichnam Papst Johannes Paul II. betete. Welches war sein Banner unter dem er gekämpft hatte?
Schon als Bischof hatte er den Wahlspruch „Totus tuus“, die bedingungslose Hingabe an die Gottesmutter. Aber mit dem Attentat am 13. Mai bekam das Totus tuus eine ganz neue Dimension. Johannes Paul II. erlebte hier im Krankenhaus seine körperliche Schwäche. Ich erinnere mich gut, wie er einer befreundeten Person anvertraute: „Schau, ich kann mich ja kaum mehr bewegen. Aber die Kirche braucht doch einen gesunden Papst.“ Doch nach einer kleinen Pause sagte er: „Aber nicht mein Wille geschehe, sondern Deiner, Herr!“ Durch das Attentat bekam Johannes Paul II. ein noch tieferes Verständnis für den Wert des Opfers und die Botschaft von Fatima.

Er bat mich, ihm alle Literatur über Fatima zu bringen. Viele der Texte hatte ich in polnischer Sprache. Er las alles mit großer Aufmerksamkeit. Und ihm wurde klar, dass er jener Papst ist, von dem die Gottesmutter in Fatima sprach und dass ER den Auftrag Mariens verwirklichen muss. Als er das Krankenhaus verließ, erklärte er mir: „Jetzt habe ich verstanden, dass der einzige Weg, die Welt vor der Selbstzerstörung und vor dem militanten Atheismus zu retten, die Bekehrung Russlands nach der Botschaft von Fatima ist.“
Ich überreichte dem Heiligen Vater nach seinem Krankenhausaufenthalt eine Fatimastatue, die deutsche Pilger aus Fatima als Geschenk mitgebracht hatten. Er krönte sie und küsste sie mit den Worten TOTUS TUUS. Da sagte ich zu ihm: „Unter Ihrem Pontifikat muss sich die Bekehrung Russlands vollziehen.“ Der Heilige Vater blieb lange Zeit schweigend und betend vor der Statue stehen. Dann fragte er mich: „Wie soll ich das verwirklichen?“ Ich sagte ihm: „Sie sind von der Vorsehung Gottes auserwählt, in Einheit mit allen Bischöfen, Russland dem Makellosen Herzen Mariens zu weihen. Davon hängt der Weltfriede ab, denn die Bekehrung Russlands ist der Sieg über Satan.“ Kurze Zeit später ließ der Heilige Vater die Statue nach Polen bringen und dort an der Grenze eine kleine Kapelle bauen, von wo aus die Gottesmutter bis heute Richtung Russland schaut.

Am 25. März 1984 war es endlich so weit. Johannes Paul II. betete mit vielen anwesenden Bischöfen auf dem Petersplatz die Weihe. Und die Früchte dürfen wir sehen: Heute können Missionare in Russland arbeiten und das Evangelium in die Länder der ehemaligen Sowjetunion bringen. Wenn wir tun, was die Gottesmutter uns sagt, können wir wie in Kana die Wunder miterleben, die Gott dann wirkt.
Ich hatte an diesem Tag die große Gnade, im Geheimen diese Weihe im Kreml in Moskau zu beten und hier sogar versteckt hinter einer Zeitung die Heilige Messe vereint mit dem Heiligen Vater zu zelebrieren. Das war ein ganz besonderer Tag in meinem Leben: Seit 30 Jahren bemühte ich mich, einmal nach Russland zu kommen, doch es war nie möglich. An diesem 25. März brachte mich die Vorsehung nach Moskau. Ich besuchte Mutter Teresa, mit der ich schon seit mehr als zwanzig Jahren zusammenarbeitete, in ihrer Missionsstation in Kalkutta. Für meine Rückreise hatte sie ein Visum für Moskau bekommen. Da ich aus der Slowakei geflohen war, war es ein großes Risiko, die Oststaaten zu besuchen. Mein Begleiter sagte an der Grenze: „Nun sollen wir für vier Tage nach Moskau? Vielleicht bleiben wir dafür vierzehn Jahre in Sibirien!“ An der Grenze mussten wir wirklich stundenlang warten, bis unsere Pässe untersucht waren. Ich hatte den ganzen Psalter gebetet, bis wir die Grenze passieren durften. Man kann sagen, dass damals der Rosenkranz der Schlüssel war, der mir das Schloss nach Moskau geöffnet hat.

Als ich dem Heiligen Vater von diesem Abenteuer in Moskau erzählte, hatte er Tränen in den Augen und sagte: „Das ist wirklich ein Zeichen für mich, Paul. Denn viele Kardinäle, Bischöfe und Theologen waren gegen diese Weihe Russlands an das Herz Mariens. Doch Gott hat einen katholischen Bischof nach Moskau gesandt, um an Ort und Stelle die Weihe zu vollziehen. An diesem Tag hat dich die Mutter Gottes an der Hand geführt.“ „Nein, Heiliger Vater, sie hat mich nicht geführt. Sie hat mich auf ihren Armen getragen!“, antwortete ich ihm.

Papst Johannes Paul II. ist der Papst von Fatima. Er hat nicht nur sich selbst und die ganze Welt der Gottesmutter geweiht, sondern auch das stellvertretende Gebet und Opfer zum Mittelpunkt seines Pontifikates gemacht. Als ich Sr. Luzia das erste Mal traf, fragte ich sie, was denn das Zentrum der Botschaft von Fatima ist. Sie antwortete ohne zu überlegen: „Vater Bischof, das erste, was uns die Gottesmutter fragte, war: „Seid ihr bereit, jedes Kreuz und jedes Leiden, das der Herr euch schickt, anzunehmen und für die Bekehrung der Sünder aufzuopfern?“ Wir leben in einer marianischen Epoche, in einer Zeit, in der Maria wie nie zuvor in die Geschichte der Menschheit eintritt. Sie wendet sich heute auch an uns, an die „gesunden“ Glieder des mystischen Leibes, damit wir stellvertretend glauben, hoffen und lieben.

Viele, die den Heiligen Vater über Jahre in seinen Leiden beobachtet hatten - sogar enge Mitarbeiter - fragten sich, woher er nur die Kraft nahm, nicht zu resignieren und sogar anderen in ihren Leiden Mut und Hoffnung zu schenken. Er selbst gab uns die Antwort: „Gegenüber Maria, der Mutter der Kirche, erneuere ich meine Hingabe: Totus tuus! Sie möge uns helfen, in jedem Augenblick unseres Lebens den heiligen Willen Gottes zu erfüllen.“ (28. Februar 2005) Sogar als er nach dem Luftröhrenschnitt aus der Narkose erwachte, schrieb er auf ein Blatt Papier die Worte: “Ma che mi hanno fatto? Comunque io sono sempre totus tuus. Was haben sie nur mit mir gemacht? Ganz gleich, ich gehöre immer ganz Dir, Maria!“

Das war das Geheimnis seines Lebens. Damit hat er als Papst der Kirche vorgelebt, was sie heute so sehr braucht: Maria. Hier in Amsterdam sagt die Frau aller Völker: „Eine Kirche und ein Volk ohne Mutter ist wie ein Leib ohne Seele.“ (31. Mai 1965)

Zum anderen stand die Barmherzigkeit Gottes in Wort und Tat im Zentrum der Verkündigung von Johannes Paul II. Gleich nach seiner Wahl wurde ich gefragt: „Was glauben Sie, werden die Schwerpunkte dieses Papstes sein?“ Ich antwortete dem Journalisten: „Menschenwürde und Menschenrechte!“ Wohin er auch kam, brachte er Versöhnungsbereitschaft und Verständnis.
Am 17. August 2002 rief er den Pilgern im Heiligtum der göttlichen Barmherzigkeit in Krakau-Lagiewniki zu: „Seid Zeugen der Barmherzigkeit!“ Und er sprach die prophetischen Worte: „Nur im Erbarmen Gottes wird die Welt Frieden und der Mensch Glück finden.“ (17. August 2002)
Er selbst hat Sr. Faustyna Kowalska, die große Botschafterin der Barmherzigkeit selig und heilig gesprochen und das Fest der Barmherzigkeit am ersten Sonntag nach Ostern für die ganze Kirche eingeführt. Ist es nicht bezeichnend, dass der Herr ihn gerade in der Vigil dieses großen Festes zu sich gerufen hat?

In seiner letzten Ansprache, die der Heilige Vater für den Barmherzigkeitssonntag dieses Jahres vorbereitet hatte, hinterließ er uns als Erbe folgende Worte: „Der Menschheit, die mitunter wie verloren zu sein scheint, beherrscht von der Macht des Bösen, des Egoismus und der Angst, dieser Menschheit bietet der auferstandene Herr seine Liebe zum Geschenk an - eine Liebe, die vergibt und versöhnt … eine Liebe, die das Herz verwandelt und Frieden schenkt. Wie sehr bedarf die Welt ... der göttlichen Barmherzigkeit!“

Papst Johannes Paul II. war der größte Apostel der Barmherzigkeit unserer Zeit. Mit seinen letzten Worten lässt uns der Heilige Vater in sein Inneres blicken, wenn er uns einlädt, mit ihm zu beten: „Herr, … wir glauben an dich und wollen dir heute vertrauensvoll immer wieder sagen: Jesus, ich vertraue auf dich, hab Erbarmen mit uns und der ganzen Welt!“ (aus dem Text für den Barmherzigkeitssonntag 2005)

Dies also ist das Banner, das Johannes Paul II. uns hinterlässt. Auf der einen Seite stehen die Worte: totus tuus, ganz dein, Maria, und auf der anderen: Jesus, ich vertraue auf dich! Wir könnten auch sagen: das Herz Mariens und das Herz Jesu. Papst Benedikt XVI., ein wahrer Freund und enger Vertrauter Johannes Paul II., will als erster dieses Banner tragen. Helfen wir ihm durch unser Gebet und unsere Treue. Unter diesem Banner werden wir den Sieg erringen. Danken wir Gott und singen wir das Te Deum für dieses große Geschenk des neuen Nachfolgers. Der Herr hat uns den richtigen Mann auf dem richtigen Platz zur richtigen Zeit geschenkt. Amen.

 
 
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