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5. Internationaler Gebetstag, Amsterdam 2003



Beitrag von
S. E. Msgr. Tomasz Peta,
Metropolit und Erzbischof von Astana, Kasachstan

„Kasachstan, ein Land der Leiden
und das Begegnungszentrum der Frau aller Völker“

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt,
Liebe Organisatoren dieses Gebetstages,
Liebe Pilger!

Kasachstan ist das neuntgrößte Land der Welt mit 2,7 Millionen Quadratkilometer. Es liegt zwischen China und dem Kaspischen Meer und ist 65 mal so groß wie Holland. Ein Teil von Kasachstan befindet sich noch in Europa. Zwei Prozent der 15 Millionen Einwohner sind Katholiken.
Kasachstan war in der Vergangenheit ein Land der Leiden, getränkt vom Blut und den Tränen der Märtyrer. In den 30er- und 40er Jahren wurden Menschen vieler verschiedener Nationalitäten und Religionen aus ihrer Heimat vertrieben und in die grenzenlose Steppe Kasachstans deportiert. Unter diesen schwersten Lebensbedingungen blieb ihnen keine andere Hoffnung als Gott allein. Unter den Vertriebenen waren auch Katholiken. Gedemütigt und geschlagen, ganz ohne priesterliche Betreuung, hielten sie sich an die “Waffe des Gebetes“. Die Katholiken beteten besonders den Rosenkranz. Gerade der Rosenkranz ersetzte ihnen in der äußersten Not die Hl. Messe, die Sakramente und das kirchliche Leben. In einem Marienlied, das nach der erlangten religiösen Freiheit komponiert wurde, danken unsere Gläubigen der himmlischen Mutter mit den Worten: „In der kasachischen Steppe hast du mir die Türen geöffnet und bist mir mit dem Rosenkranz begegnet.“
Deshalb wurde die Verkündigung des Rosenkranz-Jahres durch Papst Johannes Paul von unseren Katholiken in Kasachstan mit großer Freude aufgenommen.

Das Fischwunder von Osornoje

Als eines der Zeichen für Gottes Vorsehung und die Gegenwart der Gottesmutter in unserem Land steht das Heiligtum der Königin des Friedens in Osornoje. Wir nennen es “Das kleinste Heiligtum der Welt“. Dieses Dorf, das heute etwa 600 Einwohner hat, entstand durch die Deportation von polnischen Katholiken aus der Ukraine im Jahre 1936. Fünf Jahre später, in den Hungerjahren der Kriegszeit, war ein Winter besonders streng und schneereich. Aber ab dem 25. März, dem Fest der Menschwerdung im Jahre 1941, begann der Schnee zu schmelzen. Innerhalb von drei Tagen bildete sich nahe Osornoje aus dem Schmelzwasser ein See von etwa fünf Kilometer Länge, der sich in Kürze mit vielen Fischen füllte. In dieser Kriegszeit, wo man den Leuten alles für die Front weggenommen hatte, wurden dadurch viele Menschen vor dem Hungertod bewahrt. Sogar mit Lastwagen und kleinen Flugzeugen wurden die Fische bis in das fünfhundert Kilometer weit entfernte Karaganda gebracht. Die Gläubigen erkannten in diesem Fischreichtum ein Wunder der Vorsehung Gottes.

Die Königin des Friedens - Patronin Kasachstans und Zentralasiens

In Osornoje bauten die Ortsbewohner von 1990 bis 93 eine Kirche. Damals durfte ich dort schon als Pfarrer wirken. Die “Königin des Friedens“ wurde die Patronin der neuen Kirche, was von einem holländischen Priester, Nico Hoogland, vorgeschlagen worden war. Er kümmerte sich auch um eine schöne Statue der Muttergottes für Osornoje.
Es war dann auch in Osornoje, wo Bischof Jan Pawel Lenga Kasachstan und Zentralasien dem besonderen Schutz der Königin des Friedens anvertraute. Jedes Jahr erneuerte der Bischof diese Marienweihe, und mittlerweile sehen die Katholiken Osornoje als ihr Landesheiligtum an. Vor zwei Jahren, in unserer Hauptstadt, erneuerte Papst Johannes Paul persönlich mit allen Bischöfen und Priestern unseres Landes diese Weihe. In geistiger Weise besuchte er Osornoje und nannte diesen Ort ‚Nationalheiligtum für Kasachstan’. Das ist ein schönes Beispiel, wie Gott das Gebet und Vertrauen auf Ihn beantwortet.
Dort, wo im Jahr 1941 die “Vermehrung von Fischen“ stattfand, dort steht heute eine Marienstatue, die sogenannte “Mutter mit den Fischen“, die ein Netz mit Fischen in der Hand hält. Zwölf Kilometer von der Kirche entfernt errichteten wir auf einem einsamen Hügel - “Achimbettau“ genannt - ein zwölf Meter hohes Kreuz. Das Zeichen des Heils erhebt sich gleichsam im Zentrum Eurasiens und zeigt nach Osten und Westen, nach Hiroshima und Fatima. Es ist ein Denkmal der vergangenen Leiden und Opfer in Kasachstan, aber auch ein Zeichen der Hoffnung und des verdienten Friedens für die Völker dieses Landes!

Die Begegnungsstätte der Mutter aller Völker in Astana – Ein „Echo auf Amsterdam“

In meiner Bischofsstadt Astana, der Hauptstadt von Kasachstan, entsteht jetzt eine Stätte der Begegnung unter dem Titel “Mutter aller Völker“. Sie befindet sich bei der ersten katholischen Kirche dieser Stadt, welche schon 1979, zur Zeit der Bedrängnis, aus einem kleinen Wohnhaus errichtet wurde. Dieser Ort der Begegnung, “Haus der Mutter aller Völker“, ist ein Echo der Erscheinungen von Amsterdam und auch der Worte des Papstes, der bei der Hl. Messe in Astana, am 23. September 2001 vor Menschen verschiedener Kulturen und Religionen betonte: „Maria ist die Mutter aller, so wie ihr Sohn am Kreuz für alle starb“.
Bei diesem Haus der Begegnung “Mutter aller Völker“ steht das dreizehn Meter hohe Kreuz und die sogenannte Jurte, das traditionelle Wohn-Zelt der kasachischen Nomaden. Beides wird uns immer an den gnadenvollen Papstbesuch in Kasachstan erinnern, denn dort feierte der Hl. Vater den Gottesdienst, als er bei uns war. Die Bezeichnung “Haus der Mutter aller Völker“ hat in Kasachstan eine besondere Bedeutung, weil in unserer Heimat über 120 Nationalitäten leben. 120 verschiedene Nationalitäten!

Viele Nationalitäten leben in Frieden zusammen

Menschen verschiedener Religionen und vieler Volksstämme leben in Kasachstan in Frieden und Eintracht: Kasachen und Russen, Deutsche, Polen und Ukrainer, Usbeken, Kirgisen, Tadschiken, Baschkiren, Tataren, Weißrussen, Litauer, Letten, Mordwinen und Karakalpaken…
Wir erkennen das als Frucht der Leiden der Märtyrer. Bemerkenswert scheint mir auch immer wieder, dass unter den noch lebenden Zeugen dieser großer Leiden weder Hass noch Rachegefühle geblieben sind. Das geduldig ertragene Unrecht führte die Menschen zur ersehnten Freiheit. Die Gläubigen Kasachstans sind Gott dankbar für die Erfahrung, dass ihre Gebete nicht unerhört blieben.

Das Gebet – „Die Kraft der kleinen Herde“

Die Kraft der “kleinen Herde“ von Katholiken ist gerade das Gebet. In allen Pfarreien Kasachstans wird jeden Tag der Rosenkranz gebetet. In vielen Pfarreien wird täglich eucharistische Anbetung gehalten - wenigstens eine halbe Stunde. Das ist mir ein großes Anliegen! In der Kathedrale von Astana halten wir schon seit mehr als einem Jahr Tag und Nacht Ewige Anbetung.

Bei der neuen Strukturierung der Kirche in Kasachstan am 17. Mai dieses Jahres - also vor fünf Wochen - hat der Papst zu unserer Überraschung und Freude unserem neuen Erzbistum den Namen “der Heiligsten Maria“ beigegeben. So gehen wir zusammen mit Maria, der Königin des Friedens, die seit neun Jahren offiziell Schutzherrin Kasachstans ist, betend in die Zukunft. Denn das Gebet ist die Kraft der Schwachen und jener, die auf den Vater der Menschen und Völker vertrauen.
Im Hymnus zu Ehren der Königin des Friedens singen wir:

Betet, Gott schenkt euch Seine Gnade!
Betet, und hofft alle auf Ihn!
Betet, und sucht das Reich Gottes!
Betet, und alles wird euch zuteil!

 
 
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