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5. Internationaler Gebetstag, Amsterdam 2003



Beitrag von
S. E. Msgr. Raoul Scarrone,
Bischof der Diözese Florida in Uruguay

Maria, die Mutter des lateinamerikanischen Volkes

Gott wollte in seiner Vorsehung, dass ich beim 5. Internationalen Gebetstag in Amsterdam das Volk des lateinamerikanischen Kontinents repräsentiere. Wie konnte ich einen solchen Wunsch ablehnen? Hat doch die Anwesenheit Mariens bei der Evangelisierung Lateinamerikas sehr tiefe Spuren hinterlassen!

Heute erhebe ich meine Stimme zum dankbaren Gebet mit den Worten des Magnifikat: „Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.“ (Lk 1,48)
Nachdem das Evangelium im Jahre 1492, d.h. vor über 500 Jahren auf den amerikanischen Kontinent kam, haben sich diese prophetischen Worte vor allem in den spanisch und portugiesisch sprechenden Ländern verwirklicht. Damals, als in Europa gerade das Zeitalter der Renaissance angebrochen war, begann auf unserem Kontinent der Glaube an Jesus Christus, das ewige Wort des Vaters und Mariens Sohn, lebendig zu werden.

Heutzutage lebt die Hälfte aller Katholiken der gesamten Welt in Lateinamerika: 510 Millionen Menschen. Wir wissen: Als Gott Sich dazu entschlossen hatte, Sich zu offenbaren und Seine Botschaft der Liebe und Rettung mitzuteilen, erwählte Er eine junge Frau mit Namen Maria, um am Geheimnis Seiner Barmherzigkeit mitzuwirken. Es war Maria, die bei der Verkündigung mit ihrem „fiat“ den Weg öffnete. Damit gab sie der Kirche, und somit auch uns den Impuls, auch weiterhin auf Gottes Pläne zu hören, zu antworten und mitzuarbeiten.

Beim Mysterium der Menschwerdung steht Maria im Mittelpunkt. Durch sie ist Gott Mensch geworden und gehörte einem Volk an. Maria ist die Verbindung zwischen Himmel und Erde. Ohne Maria verliert das Evangelium seinen Körper, wird verzerrt und verwandelt sich in geistigen Rationalismus. Eine Evangelisierung, welche die bereichernde Anwesenheit Mariens ignoriert, entstellt die innere Kraft des erlösenden Geheimnisses Christi.

In Lateinamerika ist die heiligste Jungfrau Maria anwesend
und wirkt auf verschiedene Art und Weise.

Wann immer wir auf sie blicken, führt sie uns zu ihrem Sohn, sei es im entferntesten Winkel der Erde oder in den größten Heiligtümern, wo sich Millionen von Gläubigen versammeln. Maria gibt uns das lebendige Vertrauen, die süße Gewissheit der Kinder, die entdecken, dass sie näher bei Gott sind, weil sie als unsere Mutter bei uns ist. In vielen Ländern unseres Kontinents ist die Verehrung Mariens ein Teil der Identität des Volkes, wie es z.B. bei Unserer Lieben Frau von Guadalupe in Mexiko der Fall ist. Durch ihr Bildnis zeigt sich diese tiefe Verbundenheit zwischen dem Glauben und der Kultur unserer Völker.

Das Evangelium wurde verkündet
und hat Maria als seine höchste Vollkommenheit dargestellt.

Gleich zu Beginn der Erscheinungen von Guadalupe war Maria das große Zeichen. Mit mütterlichem und barmherzigem Antlitz lädt sie uns ein, mit dem Vater und Christus in Gemeinschaft zu sein. Maria war auch die treibende Kraft für die Einheit zwischen den einzelnen Menschen und Völkern. Wie Guadalupe, so sind auch die anderen marianischen Heiligtümer des ganzen Kontinents Zeichen für das Zusammentreffen des Glaubens der Kirche mit der lateinamerikanischen Geschichte.
Deswegen weiß das Volk, dass es Maria nur in der katholischen Kirche findet. Daher war die marianische Frömmigkeit oftmals das feste Band, das viele Gläubige auch dort mit der Kirche verband, wo sie nicht präsent sein konnte.
Das gläubige Volk erkennt in der Kirche die Familie, deren Mutter die Mutter Gottes ist. Und in der Kirche wird die treibende Kraft, das Evangelium bestätigt, woraus hervorgeht, dass Maria das perfekte Beispiel der Christenheit ist, das ideale Bild der Kirche.

Die marianische Frömmigkeit hat während ihrer 500-jährigen Geschichte eine erstaunliche Entwicklung erfahren. Man kann ganz sicher sagen, dass das lateinamerikanische Volk, historisch gesehen, marianisch geprägt ist und sich - entgegen aller Schicksalsschläge - mit Eifer die marianische Frömmigkeit bewahrt hat. Ein großer Teil unserer Bevölkerung zeigt seine Liebe, Verbundenheit und Verehrung Mariens durch die Weihe an sie vor einem der marianischen Gnadenbilder. Und bei manchen Christen ist der Besitz eines Marienbildes oft der wichtigste, wenn nicht der einzige Ausdruck ihres religiösen Lebens.
An der Hand Mariens geht das christliche Volk den Weg seiner Geschichte, seiner Schmerzen und seiner Eroberungen. Sehr viele Namen und Plätze bewahren die Erinnerung an Maria, an die verschiedenen Mysterien: an die Aufnahme Mariens in den Himmel, an die Menschwerdung Christi, an den Rosenkranz, an den Karmel, an Bethlehem, u. a. ...
Durch die Mysterien kann das Volk seinen Blick zum Himmel erheben und das mütterliche Antlitz Mariens erkennen, das uns zum barmherzigen Antlitz des Vaters führt und uns das Antlitz Seines Sohnes Jesu Christi enthüllt.

Wenn das Mysterium Mariens in der Religiosität Lateinamerikas einen privilegierten Platz einnimmt, dann deshalb, weil das Volk sich darum bemüht, christlich zu sein und so zu leben, wie Papst Paul VI. es formulierte: „Wenn wir Christen sein wollen, müssen wir marianisch sein.“
Indem das Volk Maria als ein lebendiges Beispiel ansieht, ist es durch die Neuevangelisierung möglich, neue Schritte in der Treue zu Christus hin zu unternehmen, worum wir bemüht sind.
In dieser missionarischen Stunde lädt die lateinamerikanische Kirche dazu ein, mit einer „Neuevangelisierung“ zu beginnen, wobei die Kirche auf Maria schaut, ihren demütigen und mutigen Glauben, ihre Jungfräulichkeit, die fruchtbar geworden ist, um die Welt zu erleuchten. Sie leuchtet in diese Glaubensnacht hinein als der Stern der Evangelisierung.

Meine Brüder und Schwestern, nach der Entdeckung des amerikanischen Kontinents, am 12. Oktober 1492, wurde die Mutter Gottes durch die Hände der Eroberer zu uns getragen. Wieviel hat sie uns seither gegeben!
Maria wurde in Amerika sofort angenommen und die einfachen Leute verliebten sich regelrecht in sie. Sie drang in die Seelen der armen Menschen ein und diese machten aus dieser Liebe Lieder, Heiligtümer, Bilder, Rosenkränze, Gebete und Hoffnung.
Maria lebte, ebenso wie Millionen von Menschen unseres Kontinents, in einem kleinen Dorf und akzeptierte das Leben genau wie sie. Vom ersten Moment an spricht Amerika mit Maria, ruft sie, liebkost sie, fragt sie um Rat und rechnet mit ihr. Sie ist die Jungfrau des Kummers und der Freude. Es gibt kein noch so armes Heim, das nicht teilt und Licht und Leben spendet. Daher bewegt sie sich wie ein sanfter, aber notwendiger Lufthauch unter uns, der für das Leben unverzichtbar ist.

Wenn wir das Bild von Maria betrachten - und ich glaube, das tun wir alle - so steigt in uns der Wunsch auf, besser zu sein. Wir wollen unsere Fehler korrigieren und uns von unserem Schmutz befreien. Daher tut es so gut, dass die Kirche uns dazu veranlasst, das Bildnis Mariens zu betrachten. Als Kirche wollen wir heute und immerdar dem Auftrag treu sein, den der Herr vom Kreuz her gegeben hat. Dieser Auftrag erging an Johannes, Seinen Lieblingsjünger, dem Er Maria als Mutter gegeben hat. Seit Jesus der Kirche mit den Worten: „Siehe, deine Mutter!“, diesen Auftrag erteilte, sind 20 Jahrhunderte vergangen. Aus diesem Grund lädt uns die Kirche heute und immer dazu ein, Maria als Mutter anzuerkennen.

Wenn wir das verehrte Bild der Frau aller Völker betrachten, kann ich euch allen und auch jedem einzelnen sagen, dass am heutigen Tag dieselben Worte Jesu gelten: „Siehe, deine Mutter!“ Wenn wir sie betrachten, versuchen wir besser zu werden; und als Kirche entdecken wir unsere christliche Berufung wieder, wenn wir unsere Augen auf Maria richten: Die Kirche fühlt, dass Maria ihr Beispiel ist. Sie will die ganze Menschheit, alle Völker, mit der Reinheit Mariens lieben. So wie Maria, so will auch die Kirche das Wort Gottes aufmerksam hören und bereit sein, Seinen Willen zu tun.

Der Schoß der Kirche wächst Tag für Tag, denn Maria ist deren Trägerin, so wie sie einst die Trägerin des Messias war, und der Heilige Geist macht die Kirche fruchtbar. Das Evangelium wurde bei unseren Völkern verkündet und hat Maria als das vollkommenste Geschöpf vorgestellt. Deswegen hat die Kirche in Lateinamerika die Berufung, wie Maria in dieser Welt zu sein, und sie fühlt sich dazu verpflichtet Dienerin, Missionarin, treu, schön, ohne Falten und ohne Makel zu sein. Wie Maria, so will auch die Kirche ohne Sünde empfangen sein. Sie will ohne Wunden sein, ohne Groll, nicht herrschsüchtig, sondern Jungfrau und Mutter, rein und sauber, voller Freude und bereit zu dienen.

Die Mission Mariens war es, Christus in die Welt zu bringen. Bitten wir heute darum, dass wir durch das Zeugnis unseres Lebens den Menschen Jesus geben können. Er ist der einzige, der uns Friede, Solidarität und Stärke schenken kann und aus dieser Welt und Gesellschaft etwas Freundlicheres, Würdigeres und Gerechteres machen kann.
Ihm ist es möglich, uns einen Vorgeschmack auf den neuen Himmel und die neue Erde zu geben, die Gott für uns bereitet hat, für die vielen, die so wie Maria Ihm treu geblieben sind. Amen!

 
 
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