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5. Internationaler Gebetstag, Amsterdam 2003



Homilie Von
S. E. Paul Maria Hnilica
Titularbischof aus Rom

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt, liebe Priester,
liebe Pilger aus aller Welt,

welche Gnade ist es doch, heute hier in Amsterdam erneut um das Gnadenbild der Frau aller Völker in diesem internationalen Rahmen versammelt zu sein. Aus allen Kontinenten sind wir angereist, um wie die Apostel im Abendmahlssaal vereint mit Maria das Kommen des Heiligen Geistes auf die ganze Kirche und Welt herabzuflehen. „Herr Jesus Christus, Sohn des Vaters, sende jetzt Deinen Geist über die Erde, lass den Heiligen Geist wohnen in den Herzen aller Völker!“

Vor zwei Wochen sagte der Hl. Vater beim Angelus: „Die mütterliche Gegenwart Mariens im Abendmahlssaal erinnerte die Apostel an Christus: ihre Augen hatten den gleichen Ausdruck wie das Antlitz des Heilands, ihr makelloses Herz bewahrte die Geheimnisse von der Verkündigung ... bis hin zu seinem Leiden und Tod. In diesem Sinn kann man sagen, dass im Abendmahlssaal das Rosenkranzgebet geboren wurde. Denn hier haben die ersten Christen begonnen, mit Maria das Antlitz Christi zu betrachten, indem sie sich die verschiedenen Momente seiner irdischen Geschichte in Erinnerung riefen.“

Vor den Pilgern aller anwesenden Nationen möchten wir heute S. E. Jozef Marianus Punt, dem Bischof von Haarlem Amsterdam, für seinen Mut danken, mit dem er für die Sache der Frau aller Völker eintritt. Am 31. Mai vergangenen Jahres gab er offiziell seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Erscheinungen von Amsterdam übernatürlichen Ursprungs sind.

Seit dem 1. Internationalen Gebetstag habe ich immer die Botschaften der Miterlöserin im Zusammenhang mit den Botschaften von Fatima betrachtet. Gerade das Thema des diesjährigen Gebetstages, die „Frau aller Völker und das Jahr des Rosenkranzes“ kann die Botschaften von Fatima nicht unbeachtet lassen. Denn bei jeder ihrer Erscheinungen in Fatima ruft die Gottesmutter zum täglichen Rosenkranzgebet auf: „Betet täglich den Rosenkranz, um den Frieden für die Welt und das Ende des Krieges zu erlangen.“ Deshalb kam sie unter dem Titel der Rosenkranzkönigin, um uns ganz neu die Macht dieses Gebetes bewusst zu machen.

Wenn wir die heutige Situation in Kirche und Welt mit offenen Augen betrachten, wird jedem klar, welchen Gefahren wir ausgesetzt sind. Satan fordert heute sein Recht und ist so stark wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Doch Gott hat schon gleich nach dem Sündenfall den Sieg der Frau und Ihrer Nachkommen über Satan verheißen. Dabei ist das Rosenkranzgebet eine entscheidende Waffe in diesem geistigen Kampf. Auch in Amsterdam spricht Maria gleich bei der ersten Erscheinung am 25. März 1945 über die Macht des Rosenkranzes: „Dem ist es zu verdanken, aber durchhalten!“

Durchhalten, ja das ist nicht immer leicht! Um uns zu ermutigen, wollte Papst Johannes Paul II. sein 25. Pontifikatsjahr unter das Zeichen des Rosenkranzes stellen. Er selbst ist uns ein leuchtendes Vorbild eines rosenkranzbetenden Menschen. „Wie viele Gnaden habe ich ... von der Heiligen Jungfrau durch das Rosenkranzgebet empfangen!“, bezeugt er in seinem apostolischen Schreiben. Maria ist jenes große Vorbild der Betrachtung, von dem wir am besten lernen können, unseren Blick fest auf den göttlichen Sohn ausgerichtet zu haben. Diesen marianischen Blick voll Glaube und Liebe, bekommen wir, wenn wir den Rosenkranz beten, verspricht der Hl. Vater.

Der Rosenkranz führt uns in die Geheimnisse der Erlösung. An der Hand der Mutter lernen wir, unser Leben nach dem Evangelium auszurichten, und uns wie sie für das Heil der Seelen einzusetzen.

Das erste, was die Rosenkranzkönigin am 13. Mai 1917 die Kinder in Fatima fragte, war: „Wollt ihr euch Gott anbieten, um alle Leiden zu ertragen, die Er euch schicken wird, zur Sühne für alle Sünden und für die Bekehrung der Sünder?“ Diese Frage führt uns direkt in das Geheimnis der Miterlösung, des stellvertretenden Leidens und Betens. Ohne dieses Geheimnis theologisch zu durchdringen, haben die Seherkinder die flehentliche Bitte des Himmels beantwortet.
Trotz ihrer Kindheit wurden sie solche „Meister“ auf dem Gebiet der Miterlösung, dass Francesco und Jacinta als leuchtende Heilige ihr kurzes Leben auf dieser Erde vollendet haben. Bei der Seligsprechung am 31. Mai 2000 verglich Papst Johannes Paul II. die kleine Jacinta mit dem großen Völkerapostel Paulus. Der Hl. Vater sagte: „Zu Recht könnte Jacinta mit Paulus ausrufen: „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt!“ (1 Kol 1,24f)

Keine Gelegenheit wollte sich Jacinta, dieses Hirtenmädchen von Fatima, entgehen lassen, um für den Hl. Vater zu beten und zu opfern, den sie so viel hat leiden sehen. Papst Johannes Paul II. weiß: auch diesen Kindern verdankt er sein Leben nach dem Attentat.

Ich selbst durfte das Geheimnis der Miterlösung als junger Seminarist tiefer erfassen. Ich stamme aus der Slowakei. Sie wissen, dass in den Ländern des Ostens 70 Jahre lang eine schwere Christenverfolgung herrschte. Als das atheistisch-kommunistische Regime, das in Fatima prophezeit worden war, an die Macht kam, wurden alle Bischöfe, die besten Diözesanpriester und Ordensleute verhaftet: Franziskaner, Salesianer, Dominikaner und auch wir Jesuiten. Wir alle wurden in Konzentrationslager oder in Gefängnisse gebracht. Später wurden auch alle Ordensschwestern - mehr als 10 000 – in verschiedene Arbeitslager verschleppt. Und bald darauf Tausende von Laien, vor allem jene, die sich besonders im Dienst der Kirche eingesetzt hatten.

In dieser Zeit war ich Theologiestudent. Um Mitternacht kamen Polizisten und besetzten unseren Konvent. In mein Zimmer kamen drei Polizisten, denn wir schliefen hier zu dritt. Sie forderten uns auf: „Steht auf und folgt uns!“ Draußen erwarteten uns Busse, in die wir einsteigen mussten. Neben jedem Ordensmann saß ein bewaffneter Polizist. So brachten sie uns ins Unbekannte.

In diesen Momenten hatte ich Angst, nicht so sehr vor der harten Arbeit, die mich im Lager erwarten würde, denn ich war schwere Arbeit gewohnt. Doch mein einziges Ideal, der einzige, große Wunsch meines Lebens, Priester zu werden, schien sich nun nie mehr zu verwirklichen:
Wie oft hatte ich während des Bombenalarms in Lebensgefahr mit dem Herrn gekämpft: „Lass mich leben, lass mich leben. Erlaube mir, wenigstens einmal in meinem Leben die Hl. Messe zu lesen. Dann bin ich bereit zu sterben.“

Die gleiche Angst und den gleichen Kampf hatte ich nun im Bus, der uns ins Unbekannte führte. Vielleicht würde ich niemals einen Bischof treffen, der mir die Priesterweihe spenden könnte. Von neuem flehte ich Gott an: „Lass mich leben. Erlaube mir, wenigstens einmal in meinem Leben die Hl. Messe zu lesen.“
Um mich von dieser Angst zu befreien, zog ich das Evangelium hervor, das ich als letztes in meine Tasche gesteckt hatte, bevor ich mein Zimmer verließ. Ich öffnete es und las, um mich von der Angst zu befreien. Doch was ich las, nahm mir den Atem. Die ersten Worte, auf die meine Augen fielen, waren: „Musste Christus nicht all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?“ (Lk 24,26)

Als ich dies verstand, kehrten in meine Seele eine solche innere Ruhe und Licht ein, wie nie zuvor. Dieses Licht hat uns dann auch im Lager Hoffnung gegeben. So viele Priester konnten ihren priesterlichen Dienst nicht mehr ausüben und sie haben sich gefragt: „Was ist unsere erste Aufgabe als Priester?“ Da meditierten wir das Leben Jesu. Wofür ist Jesus auf die Erde gekommen? Um zu predigen? Nein, gepredigt haben auch die Propheten. Um das Reich Gottes zu verkünden? Das konnten auch die Apostel. Um Wunder zu wirken? Aber Jesus hatte gesagt: „Ihr werdet noch Größere vollbringen.“ Also, was war der tiefste Grund Seines Kommens auf diese Erde? Der tiefste Grund Seines Kommens auf diese Erde war unsere Erlösung durch Sein Opfer am Kreuz. Dies war Seine höchste, priesterliche Mission: das Leiden und die Agonie am Kreuz. Das verstanden wir zusammen mit den Priestern: Christus erwartet von uns jetzt nicht, Sein Opfer auf unblutige Weise am Altar zu feiern, sondern Er will uns mit Sich blutig am Kreuz vereinigen.

In dieser schmerzvollen Zeit im Lager, wandten wir uns oft an die Gottesmutter: „Du bist auf Kalvaria unter dem Kreuz unsere Mutter geworden. Du kannst uns jetzt nicht allein lassen.“ Und wir haben unsere Leiden mit ihr, der Miterlöserin, vereint.
In dieser Situation gaben uns die Worte des hl. Paulus Kraft, die uns den Sinn des Leidens besser verstehen ließen. Er, der heute sicher die schnellsten und modernsten Verkehrsmittel wählen würde, um das Evangelium zu allen Menschen zu bringen, war im Gefängnis zu totaler Passivität verurteilt. Und doch schreibt er vom Gefängnis aus: „Euch kommt es zugute, dass ich der Gefangene Christi Jesu bin. ... Deshalb bitte ich euch, nicht wegen der Leiden zu verzagen, die ich für euch ertrage, denn sie sind euer Ruhm.“ (Eph 3,1.13) Mehr noch, Paulus freut sich sogar über die Leiden, die er für andere tragen darf, denn er weiß: „Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt!“ (1 Kol 1,24f).
Wir haben uns in der gleichen Situation erlebt, wie der hl. Paulus im Gefängnis, wo Gott ihn das größte Geheimnis erkennen ließ: die Miterlösung. Wir alle sind berufen, Miterlöser zu sein. Wir haben als Glieder des mystischen Leibes dieselbe Sendung wie Haupt, Christus. Wir verstanden auch: Wenn wir unsere Leiden als miterlösende Leiden annehmen, dann tragen wir dazu bei, dass Maria in ihrer Berufung als Miterlöserin par excellence erkannt und geehrt wird. Dafür wollte ich mich mit meinem ganzen Leben einsetzen, wenn mir Gott noch einmal die Freiheit schenken würde.

Auch unser Heiliger Vater, Johannes Paul II., ist voll Liebe zu Maria, die unter dem Kreuz unsere Mutter wurde. Allein schon in der ersten Zeit seines Pontifikates gab er ihr 6 mal den Titel „Miterlöserin“. Denn dieser Titel drückt so gut die einzigartige Mitarbeit Mariens am Heilsplan Jesu, ihres Sohnes, aus.

Wie tief hat der Heiliger Vater doch auf seiner Polenreise am 19. August 2002 im Heiligtum von Kalwaria über die Miterlöserin gesprochen: „Diejenige, die mit dem Sohn Gottes durch die Bande des Blutes und der mütterlichen Liebe verbunden war, lebte diese Einheit im Leiden gerade dort, zu Füßen des Kreuzes. Sie allein wusste, trotz des Schmerzes ihres Mutterherzens, dass dieses Leiden einen Sinn hat. Sie hatte Vertrauen – Vertrauen trotz allem- dass sich jetzt die alte Verheißung erfüllen sollte: „Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Verse (Gen 3.15). Und ihr Vertrauen findet sich bestätigt, als der sterbende Sohn am Kreuz zu ihr sagt: Frau!“

Da unter den Theologen der Titel Miterlöserin viel diskutiert wird, sollten wir alle ein Zeugnis kennen, das der päpstliche Theologe Georges Cottier in einer Weltvideokonferenz gab. In seinem Vortrag über die miterlösende Berufung Mariens hat dieser hervorragende Theologe bekräftigt, wie wichtig es ist, Maria unter dem Titel „Miterlöserin“ zu verehren. Nur wenn wir ihre miterlösende Berufung im richtigen Licht verstehen, erkennen wir „wie die Kirche anteilmäßig ebenfalls Miterlöserin ist“ und „wie jeder Getaufte dazu berufen ist, am Mysterium der Erlösung teilzuhaben.“

Ohne die großen Theologen abzuwerten, muss ich gestehen: ich kenne niemanden, der die miterlösende Berufung Mariens so tief beschrieben hat wie Sr. Luzia in ihrem Buch mit dem Titel: „Die Aufrufe der Botschaft von Fatima“. Neun Mal spricht sie in verschiedenen Zusammenhängen von Maria als Miterlöserin und erklärt die Einzigartigkeit und Bedeutung ihrer miterlösenden Berufung. - Dieses Buch ist übrigens von der Glaubenskongregation approbiert. -

So erklärt uns die beste Kennerin der Botschaften von Fatima das Geheimnis der Miterlösung:
„Das ganze Erlösungswerk geht von Anfang an durch das Makellose Herz Mariens. ... Von dem Moment an, als sich Maria mit ihrem freien Jawort vollständig dem Willen Gottes übergeben hat, nämlich als sie dem Engel antwortete: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn“, von diesem Moment an wurde sie in gewisser Weise Miterlöserin der ganzen Menschheit.“ (it.S.105)
Dabei denke ich an die Botschaft vom 5. Oktober 1952 in Amsterdam, in der die Frau aller Völker sagt: Bei der Verkündigung „war sie durch die Auserwählung die Miterlöserin ... Beim Heimgang ... des Herrn Jesus Christus wurde sie erst zur Miterlöserin, ... Jesus sprach ja die Worte: „Frau, siehe, dein Sohn!“ ... Durch diese Geste bekam Maria diesen neuen Titel.“

Sr. Luzia erklärt weiter in ihrem Buch: „Im Herzen Mariens begann Gott das Werk unserer Erlösung, nämlich in dem Moment, als Maria ihr FIAT sprach. ... In dieser für uns Menschen innigsten Verbundenheit, die eines Kindes im Schoß seiner Mutter, begann Christus MIT Maria das Erlösungswerk. ... Von Maria empfing Christus Leib und Blut, jenen Leib, der geopfert und jenes Blut, das vergossen werden sollte für die Rettung der Welt. Deshalb, weil Maria vollkommen eins mit Christus geworden ist, ist sie die Miterlöserin der Menschheit: (it. S.128) Mehr als alle – auch mehr als der hl. Paulus – hat sie an der Erlösung Christi mitgearbeitet.

Und Maria blieb nach dem Tod ihres Sohnes auf dieser Erde, um die Apostel und damit uns alle die Miterlösung als unsere erste und wichtigste Aufgabe zu lehren, erklärt Sr. Luzia.
Deshalb ermutigt sie uns, uns voll Vertrauen an unsere Mutter zu wenden: „sie möge für uns beten; denn ihre Fürbitte wird dem Herrn sehr angenehm sein, kraft ihrer Sendung als Miterlöserin mit Christus und aufgrund ihrer erhabenen Heiligkeit.“ (S.268)

Möge die Frau aller Völker, die einst Maria war, unsere Fürsprecherin sein. Amen.

 
 
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