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4. Internationaler Gebetstag, Amsterdam 2000



Beitrag der
Priesterbrüder Raymond und Pierre Jaccard,
Frankreich

“Véronique, die Aussätzige“

Die leprakranke Véronique, die wir in Europa in einem Pflegezentrum kennengelernt haben und deren Leben wir jetzt in Erinnerung rufen wollen, ist eine jener großen Kranken und Heiligen, die diese schreckliche Prüfung angenommen und sie in eine kostbare Gabe und in vollständige Hingabe verwandelt haben.

Wer ist Véronique?
Sie wurde nach dem ersten Weltkrieg auf den Karibischen Inseln geboren. Als sie zweijährig ist, taucht auf ihrem Rücken ein schwarzer Fleck auf. Die Diagnose ist endgültig: Véronique ist leprainfiziert. Eine Schocktherapie bringt den hässlichen Flecken sehr schnell zum Verschwinden; drei Jahre später jedoch erscheinen weitere Flecken auf dem ganzen Körper. Ihr Onkel begleitet Véronique zur Behandlung nach Europa. Für das kleine fünfjährige Mädchen bedeutet dies das Exil: „An diesem Tag habe ich in meiner Seele den Tod verspürt. Während meines ganzen Lebens als erwachsene Leprakranke habe ich kein vergleichbares Leiden durchgemacht.“
Während all der Jahre ist das Leiden ein ständiger Begleiter in Véroniques Leben.
Nach einigen Untersuchungen wird sie in ein Krankenhaus für Aussätzige geschickt; wo sie auch zur Schule geht, und sich als gute Schülerin erweist. Dort – sie ist vierzehnjährig – erprobt man an ihr eine Behandlung, die ihr in schrecklicher Erinnerung bleibt. Ihr Körper wird zu einer einzigen eitrigen Wunde. Véronique kann nicht mehr. Sie liegt im Sterben. Ihre Mutter holt sie, um sie in Paris sterben zu lassen.
Mama ist da, sie ist bei ihr. Das ist das einzige, was sich Véronique gewünscht hatte, um neue Lebensfreude zu bekommen. Während viereinhalb Jahren, eitern jedoch alle sechs Monate die Wunden aufs Neue.

Plötzlich stellt sich eine Besserung ein, so dass sie in Paris an der Sorbonne studieren kann. In der Begegnung mit der Wissenschaft, mit falschen Philosophien und materialistischen Ideologien verliert Véronique den Glauben ihrer Kindheit und wird militante Atheistin.

Véronique hat eine große Sehnsucht nach Liebe. Trotzdem weist sie einen Heiratsantrag zurück, weil sie fühlt, dass Menschen ihren Liebesdurst nicht stillen können. Unermüdlich sucht sie nach dem Absoluten und studiert die verschiedenen Religionen: Buddhismus, Hinduismus, Islam – doch nichts kann sie erfüllen.

Im Alter von 35 Jahren schließlich, fühlt sie einen unwiderstehlichen Drang, das Sakrament der Hl. Beichte zu empfangen. Sie sagt darüber: „Es ist der Anfang einer großen Liebe. Wie glücklich war ich an diesem Tag! Ich platzte vor Freude. Ich begann diese große Liebe zu leben, die die ganze Leidenschaft meines Lebens gewesen war.“

Véronique war keineswegs von der Lepra geheilt, nein, die Krankheit schreitet unaufhaltsam fort. Vor allem deshalb, weil sie auf alle Medikamente allergisch reagiert. „Hier liegt die Tragik meines Lebens als Leprakranke: alle Medikamente, die mir gegen die Lepra verabreicht wurden, haben mir ebenso viel Leiden verursacht, wie die Lepra selbst.“ Dies zwang sie zeitlebens zu langen Krankenhausaufenthalten.

Immer wieder versteht Véronique, dass Jesus, der Gekreuzigte, Seine Passion in ihr wieder erleidet. Zuerst verliert sie ihre Finger und wenn sie ihre Hände in kochend heißes Wasser taucht, fühlt sie absolut nichts.

„Von all meinen Leiden waren jene die schrecklichsten, die ich durchlitt, als ich meine Augen verlor. Keine Worte können das wiedergeben, was ich zu erdulden hatte. Entsetzliche Schmerzen. Ich glaubte, den Verstand zu verlieren. Ich hielt meinen Kopf mit beiden Händen fest, so sehr schmerzte er mich. Meine Augen waren dunkelrot und hart wie Eisen. Mein ganzer Hals war geschwollen; die Mandeln brannten wie Feuer. Mein Kiefer und die Schädelknochen waren in Flammen. Die Schläfen pochten. Und in den Augen ätzendes Brennen. Das war fürchterlich. Ja, ich glaubte in diesen Leiden und dieser Not verrückt zu werden, in dieser letzten Krise der Augen, in der ich endgültig erblindete.“
„Jetzt bin ich abscheulich. Ich bin hässlich, abstoßend, die Leute fürchten sich vor mir. Glücklicherweise spaziere ich nicht auf den Champs-Elysées! Alle würden einen Bogen um mich machen.“

Die fünfzig Jahre ihres Lebens – fünfzig Jahre Aussatz – bekommen für Véronique nur durch die Begegnung mit Gott einen Sinn. Gott allein konnte ihren Durst nach dem Absoluten stillen. Und Gott ist zu ihr gekommen. Gott hat sie gesucht, um sie zu liebkosen, um aus ihr Seine Véronique zu machen, die sie in den Augen der Menschen zu einem Schreckensbildnis geworden war.
Véronique hat diese Gegenwart Gottes in ihrem Leben so sehr erfahren, dass es ihr nicht einen Augenblick lang in den Sinn gekommen wäre, Gott wegen ihrer Krankheit einen Vorwurf zu machen - Ihm, der sie besuchte, um sie zu trösten.

Sie hat sich das Kranksein nicht ausgesucht. Sie wollte diese Allergie nicht, die ihre Lepra noch schmerzhafter als jede andere werden ließ. Jedes Mal, wenn sich eine neue Krise abzeichnete, hatte sie das Gebet Christi sich zu eigen gemacht: „Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorüber gehen“ Doch wie Er, hat auch sie sich dem Vater ganz hingegeben.

Véronique empfindet gleichzeitig Leiden und Freude. Schreckliches Leiden. Übernatürliche Freude. Ohne auf Einzelheiten einzugehen, lobt sie Gott für alles, was sie bekommen hat - für ihr Leben als Leprakranke.
„Mein Leben war wunderbar ausgefüllt. Nichts bereue ich. Für mich sind die Tage immer zu kurz (zum beten). Ich möchte meine Nächte noch mehr verkürzen. Ich möchte dies tun, vor allem um zu beten.“

 
 
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