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4. Internationaler Gebetstag, Amsterdam 2000



Beitrag von
S. E. Msgr. Andreas Tsien Chih-ch´un
Bischof von Hwalien in Taiwan

Meine lieben Brüder und Schwestern in Christus aus aller Welt, ich möchte die mir jetzt zur Verfügung stehende Zeit nützen, um Euch an meinen Gefühlen Anteil zu schenken.

Zu allererst bin ich hierher gekommen, um die Gottesmutter, „die Miterlöserin” zu ehren.
Für mich persönlich ist es nur recht und gut, dass wir Maria „die Miterlöserin” nennen, denn sie hat, am Fuß des Kreuzes ihres Sohnes stehend, aktiv am Erlösungswerk mitgewirkt. Der Titel „Miterlöserin” erinnert uns an die Sendung der Gottesmutter in der Kirche.

Im Laufe der Kirchengeschichte gab es vier marianische Dogmen. Das erste und zweite Dogma – Maria Gottesmutter und Immerwährende Jungfrau – sind jene Dogmen, welche die Person Jesu betreffen, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Das dritte und vierte Dogma – Maria, die Immaculata und die mit Leib und Seele in den Himmel Aufgenommene – sind jene Glaubenssätze, welche die Auswirkung der Erlösung beschreiben: Jesus erlöste die Menschheit von Sünde und Tod.

Obwohl es noch kein fünftes marianisches Dogma gibt, hat die Lehre über Maria als Miterlöserin doch offensichtlich mit ihrer Berufung im mystischen Leib der Kirche zu tun. Weil sie – als unsere Mutter – in Einheit mit ihrem göttlichen Sohn für die gesamte Menschheit als Miterlöserin gelitten hat, wurde sie auch die Mittlerin und Fürsprecherin für die gesamte Menschheit, für alle Völker.

Schon lange wird Maria in der Tradition der Kirche als Mittlerin und Fürsprecherin angerufen.
Wir hoffen und beten, dass eines Tages auch die Lehre über die Miterlöserin, über Marias Berufung für alle von uns, als feierlicher Glaubenssatz verkündet wird, denn diese Lehre ist höchst aktuell und sehr passend, um Mariens Rolle in der Heilsgeschichte zu beschreiben.
Dieser marianische Titel verneint und vermindert keineswegs die Wahrheit, dass Jesus Christus der einzige Erlöser ist.

Zweitens, meine lieben Brüder und Schwestern, kam ich hierher, um die Gottesmutter, die Königin aller Völker zusammen mit Euch zu ehren. Als Bischof aus Taiwan möchte ich Eure Aufmerksamkeit gerne auf meine chinesischen Landsleute richten, vor allem auf die chinesischen Katholiken.

In meinem Land ist die Situation für die Katholiken sehr schwierig und leidvoll. Warum? Weil Katholiken, die treu zum Heiligen Vater stehen wollen, heute immer noch unter atheistischer Verfolgung stehen. Sie leben in der sogenannten Untergrund-Kirche.
Die patriotische Kirche, die von den chinesischen Kommunisten gegründet wurde, ist die offiziell erlaubte Kirche Chinas. Diese offizielle Staatskirche ist schismatisch und häretisch, denn sie wurde von chinesischen Kommunisten entsprechend ihrer atheistischen Prinzipien organisiert und kontrolliert.

Auch heute noch werden in meinem Land loyale Christen der Untergrund-Kirche sehr gedemütigt, verfolgt und im Alltagsleben diskriminiert. Diese Unterdrückung wurde seit dem 6. Januar dieses Jahres noch härter, als innerhalb der Staatskirche unrechtmäßige Bischofsweihen vorgenommen wurden, die eine große Konfusion unter den Christen auslöste.
Trotz allem sind wir Christen im Untergrund uns bewusst, dass dieser Schmerz und dieses Leid, das wir in Einheit mit der einen wahren apostolischen Kirche aufopfern, miterlösendes Leiden ist.
Letzten Monat, nachdem unser geliebter Kardinal Kung verstorben war, richtete die Kardinal-Kung-Stiftung einen Brief an den Vatikan, in dem sie Gerechtigkeit für die Untergrund-Kirche Chinas forderte.

Zum Schluss möchte ich noch gerne eine Freude und einen wahren Grund zum Jubel der chinesischen Kirche mit Euch teilen. Obwohl China vor anderen asiatischen Staaten wie Japan, Korea, Vietnam, den Philippinen, etc. missioniert wurde, haben alle diese Länder bereits ihre Heiligen. China jedoch nicht.
Aber, am 10. März in diesem Jubiläumsjahr verkündete der Heilige Vater eine große Freude für uns:
Am 1. Oktober werden in Rom 120 chinesische Märtyrer heiliggesprochen werden.

An dieser Stelle aber möchte ich gerne betonen, dass es tausende und abertausende chinesische Märtyrer in den vergangenen Jahrhunderten und vor allem im 20 Jahrhundert gab, verfolgt durch den Kommunismus oder durch andere diktatorische Regime.
Zum Beispiel, Msgr. Domenic Tang, Erzbischof von Kanton, starb 1995 nach 22 Jahren Gefängnis im Exil in den Vereinigten Staaten. Oder Kardinal Kung, Bischof von Shanghai, der am 12. März dieses Jahres im Exil in den Vereinigten Staaten starb. Er war mehr als dreißig Jahre im Gefängnis gewesen. Sie alle sind Märtyrer für ihren Glauben geworden indem sie die Einheit der Kirche verteidigten und im absoluten Gehorsam dem Hl. Vater gegenüber. Ich bin überzeugt, dass die Standhaftigkeit unsere Märtyrer und unserer Untergrund-Kirche dem kommunistischen China helfen wird, die unerschütterliche Haltung der katholischen Kirche zu verstehen. Nur wenn wir an der Wahrheit festhalten, werden wir den wahren Frieden erlangen - nicht durch Kompromisse!

Ich bin überzeugt, dass die Heiligsprechung der chinesischen Märtyrer der Untergrund-Kirche und allen Brüdern und Schwestern guten Willens neuen Mut schenken wird.

Und hier, am Ort, wo wir um die Mutter aller Völker versammelt sind, möchte ich Euch zurufen: “Vergesst nicht Eure verfolgten Brüder und Schwestern der Kirche Chinas!”

 
 
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