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4. Internationaler Gebetstag, Amsterdam 2000



Homilie VON
S. E. Msgr. R. S. Ndingi Mwana ‘a Nzeki,
Erzbischof von Nairobi

Es ist mir eine große Freude, über Maria, die Mutter und Königin aller Völker, zu sprechen und zu predigen. Besonders freut es mich, dass diese Feier gerade auf die Vigil von Pfingsten fällt. Es besteht nämlich ein sehr tiefer Zusammenhang zwischen Maria, der Frau und Mutter aller Völker, und der Ausgießung des Hl. Geistes.

Sowohl die Hl. Schrift als auch die Tradition der katholischen Kirche lehren uns, dass Maria, die Mutter Jesu, bei den Aposteln und Jüngern war, als sie - im Abendmahlsaal versammelt - betend das Kommen des Hl. Geistes erwarteten. Und Maria hielt diese Pfingstvigil mit den Jüngern.
Wenn wir nun während dieser Eucharistiefeier die Vigil eines neuen Pfingsten halten, so tun wir dies geistig vereint mit Maria, der Mutter und Königin aller Völker.
Für dieses außerordentliche Geschenk, mit euch allen zusammen betend diese Vigil zu feiern, bin ich Gott sehr dankbar.
Ich möchte auch allen Organisatoren dieser Vigilmesse von Pfingsten danken, dass sie mich liebenswürdiger Weise eingeladen haben.

Eine der größten menschlichen Tragödien ist Uneinigkeit unter den Völkern verschiedener Länder, Religionen und ethnischer Gruppen. Jetzt, in diesem Augenblick, in dem ich zu euch spreche, toben mindestens 100 große und kleine Konflikte auf den verschiedenen Erdteilen.
Ursachen für diese Uneinigkeit kann die Politik, die Wirtschaft oder aber trauriger Weise manchmal auch die Religion sein. Die Hl. Schrift benützt das Bild der Sprache, um diese traurige Tatsache zu beschreiben.

Wir haben soeben in der Genesis im Kapitel 11 Vers 1 bis 9 gelesen, wie der Mangel an gegenseitigem Verstehen zu Verwirrung, vermehrtem Missverständnis und zu Zerstreuung führte. Der Grund für eine derartige Konfusion war tatsächlich menschlicher Stolz. Dies wird mit folgenden Worten symbolisch in der Hl. Schrift beschrieben:
“Auf, bauen wir uns eine Stadt und einen Turm mit einer Spitze bis zum Himmel, und machen wir uns damit einen Namen!” (Gen. 11,4a)
Doch Babel mit all seiner Verwirrung und Zerstreuung ist nicht das Ende der Geschichte. Uneinigkeit hat nicht das letzte Wort!
Aus der Hl. Schrift und aus der Tradition der Kirche wissen wir, wie Gott es den Menschen möglich machte, wieder in Einheit zueinander zu finden. Aus der Uneinigkeit heraus, begann ein neuer Prozess der Einheit. Das meint auch Paulus, wenn wir in der zweiten Lesung hören, dass er an die Römer schreibt:
„Wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8, 23)
„und sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes wartet.“ (Röm 8, 19)

Gottes Geist ist der Ursprung, der diese Einheit möglich macht. Es ist jener selbe Geist, den Maria, die Mutter Jesu, zusammen mit den Aposteln und Jüngern erwartete. Wie damals in der Urkirche wollen auch wir alle hier und heute geistig, und doch ganz reell, zusammen mit Maria diese Vigil in Erwartung des Hl. Geistes halten. Und es ist sehr richtig und angemessen, dass wir nicht allein, sondern mit der Mutter aller Völker diese Vigil begehen.

Wir sind glücklich und fühlen uns sehr geehrt, mit ihr Vigil zu feiern, denn:
Maria ist die Muttergottes, wie es uns die Kirche seit ihren Anfängen lehrt und auf dem Konzil von Chalcedon wiederholte. (451 AD).
Wir sind glücklich und fühlen uns geehrt, mit ihr Vigil zu feiern, denn:
Maria ist die Mutter des Erlösers: Als Mensch schenkte Maria Jesus Christus seinen menschlichen Leib, der Ihm für unsere Erlösung diente.
Wir glauben, dass Jesus der König des Universum ist. Und Maria ist die Königin dieses Reiches. Deshalb verdient sie den Titel „Mutter und Frau aller Völker“.
Maria ist die Mutter Jesu, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Maria nahm in einzigartiger mystischer Weise an Jesu Erlösungswerk teil. Sie trug Ihn 9 Monate in ihrem Schoß und hat Ihn geboren. Sie sorgte für Ihn, und als Er Seine öffentliche Tätigkeit begann, war sie auch äußerlich manchmal bei Ihm – wie etwa in Kana, als Er Sein erstes öffentliches Wunder wirkte. (Joh 2,1-12). Sie war bei manchen Ereignissen anwesend (Mk 3, 31f) und blieb bei Ihm bis zum Ende (Joh 19, 26-27). Sie sah Ihn sterben und starb geistig mit Ihm. Sie sah Ihn als den Auferstandenen und wartete zusammen mit den Jüngern auf das Kommen des Hl. Geistes.
„Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu (Apg 1,14)“

Die Welt von heute ist gekennzeichnet durch Trennung und Uneinigkeit und es besteht eine große Notwendigkeit, diese Wände der Trennung niederzureißen und Brücken der Einheit zu bauen. Die Welt von heute braucht viel Fürsorge, Hilfe und Betreuung.
Heute erlebt die Welt sehr stark die Notwendigkeit, ungerechte Ungleichheiten in Wirtschaft, Erziehung und Beruf zu überwinden.
Wir leben in einer Welt der Konkurrenz und der Gegensätze. Und deshalb brauchen wir Vorbilder, bei denen aufrichtiges Streben mit wahrer Demut vereint ist. Maria, die Mutter aller Völker, ist das schönste Vorbild menschlicher Entfaltung. Das einfache Mädchen, das sie einst in Nazareth war, wurde zur Muttergottes, zur Mutter Jesu, zur Mutter der Kirche und so zu unser Mutter, zur Mutter aller Völker.

1980 entschlossen sich die Bischöfe Kenyas ein Nationalheiligtum zu Ehren Mariens der Gottesmutter in Subukia in der Rift Valley Provinz zu errichten.
Subukia ist eine schöne Stadt in der grünen Hügellandschaft der Diözese Nakuru, wo ich 25 Jahre lang Bischof war. Der Hl. Vater weiß um dieses Heiligtum, das immer noch in Bau ist. Doch bereits jetzt wird es von hunderten Pilgern aus allen Landesteilen besucht, die dort beten und meditieren. Sie strömen dorthin, weil sie überzeugt sind von Mariens Schutz und Hilfe für alle ihre Kinder und für die ganze Welt. Die Pilger kommen aus allen sozialen Schichten, und ihr beliebtestes Gebet ist der Rosenkranz, der so einfach ist, dass ein jeder einzelne ihn beten kann. Auf der anderen Seite ist das Rosenkranzgebet aber so tief, weil es uns in die Geheimnisse des Heilsmysteriums einführt und uns betend über unsere Erlösung meditieren lässt.

Wie erwähnt, erwartete die Kirche – d.h. die Apostel mit Maria – das Kommen des Hl. Geistes. Lasst uns heute an diesem Ort darum bitten, dass dieselbe Mutter mit uns Vigil hält. Und wie die Apostel und Jünger der Urkirche lasst auch uns warten, ohne die Hoffnung zu verlieren, denn mit Maria zusammen zu beten ist sowohl eine Pflicht als auch eine große Freude.

 
 
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