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4. Internationaler Gebetstag, Amsterdam 2000



Homilie von
Seiner Heiligkeit Ignace Moussa Daoud
Patriarch der syrokatholischen Kirche von Antiochien

Zuallerst möchte ich Seiner Exzellenz Bischof Paolo Maria Hnilica und der Familie Mariens der Miterlöserin, sowie der Stiftung Frau aller Völker sehr danken, mich zum 4. Internationalen Gebetstag zu Ehren der Frau und Mutter aller Völker eingeladen zu haben; ich möchte auch alle hier anwesenden geistlichen und staatlichen Obrigkeiten ganz herzlich begrüßen, sowie alle Priester, Ordensleute, alle von überall hergekommenen Pilger, diese schöne betende und andächtige Glaubensgemeinschaft, die das Volk Gottes vertritt.

Gemeinsam mit euch allen, liebe Freunde, will ich dieses Hochfest von Pfingsten feiern, vereint mit Maria, Unserer Lieben Frau und Mutter aller Völker.
Dieser Titel, den ich voll und ganz bejahe, und zu welchem ich gerne stehe, sowie dieser bewegende Gebetstag zu Ehren der Mutter Gottes sind eigentlich eine logische Folge der Prophezeiung, die Maria selbst in ihrem Magnifikat gemacht hat: „Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter!“ (Lk 1,48)

Liebe Freunde!
Da wir mitten im Jubiläumsjahr 2000 sind, konnte ich nichts Besseres finden, um meine Rede zu beginnen, als über die tiefe Bedeutung und das Wesen des Jubiläums selbst zu sprechen, welches in Wirklichkeit die Geschichte der Liebe Gottes zu dieser Welt ist oder die Geschichte der göttlichen Barmherzigkeit, an welcher Maria sich voll und ganz beteiligte.

Diese Geschichte hat Liebe als Titel, Liebe zum Thema, Liebe als Handlung und als Schlusswort wiederum Liebe; der Held dieser Geschichte der Liebe ist der liebende Gott, Gott, der die Liebe ist.
Diese Geschichte beginnt mit einer verschwenderischen und selbstlosen Tat der Liebe: Die Erschaffung der Welt und des Menschen. Gott brauchte die Schöpfung nicht, um glücklich zu sein. Er erschuf sie aus Liebe, aus Barmherzigkeit, um sie an Seinem Glück teilhaben zu lassen. Wie barmherzig und großzügig ist doch die Liebe, durch die der Geliebte ins Dasein gerufen ist!

Doch wurde die Liebe des Schöpfergottes nicht mit Liebe beantwortet. Gott hat die Welt geliebt; die Welt hat aber Gott nicht geliebt. Das erste Kapitel der Liebe Gottes endet mit einer Tragödie: der Mensch wird aus dem Paradies ausgewiesen!
Ist jetzt alles verloren? Nein! Der barmherzig liebende Gott wurde nicht besiegt. Er antwortete mit einer noch größeren Liebe und sendet Seinen Sohn in die Welt, welcher Mensch wird, damit der Mensch vergöttlicht wird.
Diese barmherzige Liebe Gottes wurde jedoch auch nicht mit Liebe beantwortet. Gott hat wiederum die Welt geliebt; die Welt hat Ihn aber nicht geliebt. Er ist zu den Seinen gekommen, und die Seinen haben Ihn nicht aufgenommen. Der Mensch zieht dem Licht die Finsternis vor. Es kam zu einem tragischen Duell zwischen der barmherzigen sich hingebenden Liebe und dem Geheimnis des Bösen, das sich der Liebe ganz verschließt.
Was tun? Dies war die Frage der Jünger: „Soll Feuer vom Himmel fallen und sie vernichten?“ (Lk 9,54) Nein!, sagt Jesus: „Ihr wisst nicht welchen Geistes ihr seid!“ (Lk 9,55)
Sollen wir das Schwert zum Kampf ziehen? „Nein!“ „Stecke dein Schwert in die Scheide!“ (Mt 26,52) sagt Jesus.
Nein, nein! Die barmherzige Liebe wird noch einmal triumphieren; die Ablehnung, den Hass, die Sünde wird sie mit einer noch größeren Liebe beantworten, mit der Liebe, die ans Kreuz reicht, die bis zum Kreuz geht, bis alles vollendet wird.

Sollen wir daraus schließen, dass diese großartige Geschichte der Liebe mit dem Leid, mit dem Tod, im Grab endet?
Nein! Die barmherzige Liebe Gottes verzweifelt nie, gibt nie auf. Das Kreuz ist zwar der Gipfel der barmherzigen Liebe Gottes; aber nicht der letzte Akt, denn es folgen – nach den Kapiteln der Passion, des Todes und der Grablegung- weitere Kapitel, die nicht weniger ergreifend sind.
Die barmherzige Liebe Gottes wird weiter bestehen, denn sie ist stärker als das Leid, mächtiger als der Tod und weiter als das Grab.
Kraft der barmherzigen Liebe Gottes wurde das Grab leer, und durch diese Liebe werden alle Gräber der Menschen bei der Vollendung der Zeit leer gemacht.
Die Auferstehung des Sohnes wird zum leuchtenden Zeichen des Triumphes der barmherzigen Liebe; doch das endgültige Wunder dieser Liebe wird die Auferstehung der Toten sein.

Diese Geschichte von der barmherzigen Liebe wiederholt sich im Leben eines jeden einzelnen im Laufe der Kirchengeschichte.
Von der barmherzigen Liebe Gottes haben wir unsere Vorherbestimmung, unsere Existenz, unsere Taufe, unsere persönlichen Fähigkeiten, unsere Freuden, die Vergebung der Sünden, den verwandelnden Wert des Leides und - nach unserem Tod- unsere Auferstehung und unsere Berufung zur himmlischen Gottesschau.
Aus dieser Liebe geht auch die Kirche hervor, die Sakramente und alle Gnadenmittel.
Um dies alles zu verwirklichen, hat uns Jesus eine ganz besondere Gnade gewährt. Er hat uns Seine eigene Mutter zur Mutter geschenkt, und Er hat ihr Herz mit Seiner barmherzigen Liebe erfüllt. Die syrische Liturgie, deren Ritus bis zur ersten Eucharistiefeier im Abendmahlsaal zurückreicht, nennt die Jungfrau Maria „die voll der Barmherzigkeit“ und betet:
„Du, Die du voll der Barmherzigkeit bist,
bete zu Dem, Der voll der Barmherzigkeit ist,
und bitte Ihn, dass Er den Seelen,
die um Barmherzigkeit flehen,
Barmherzigkeit schenke!“

Nein, Maria war nicht bloß ein simples Werkzeug in den Händen Gottes; die Konzilsväter behaupten, dass sie „bei der Erlösung der Menschen durch ihren Glaube, ihre Hoffnung und ihre glühende Liebe mitgewirkt hat“ (LG 61).
Das II. Vatikanische Konzil hat der Jungfrau Maria vier ganz wichtige Titel gegeben: „Fürsprecherin“, „Helferin“, „ Beistand“ und „Mittlerin“ (LG 62).
Heute bittet Eure Bewegung darum, dass sie zusätzlich unter den Titeln „Miterlöserin“, „Mittlerin“ und „Fürsprecherin“ offiziell angerufen wird.
„Das aber ist so zu verstehen, dass es der Würde und Wirksamkeit Christi, des einzigen Mittlers, nichts abträgt und nichts hinzufügt“ (LG 62).

Um dieses Verhältnis zwischen Maria und Jesus zu erklären, bezeichnet der große Dichter Dante Maria als „die Tochter ihres Sohnes“, um deutlich zu machen, dass sie ihrem Sohne alles verdankt. Ihre Fülle kommt von Ihm, und durch Seine Mittlerschaft ist sie sowohl seine Frucht ,als auch Er die Frucht ihres Leibes.

Ich persönlich habe mehr als einmal in meinem Leben und in meinem Apostolat diese Mittlerschaft Mariens erfahren. Erlauben Sie mir, Ihnen das folgende Erlebnis zu erzählen:
Ich war damals der syrisch - katholische Bischof in Kairo. Wir hatten eine Kirche in Heliopolis aber kein Pfarrhaus oder Pfarrzentrum für verschiedene pastorale Organisationen, Werken, Jugendbewegungen, seelsorgliche Veranstaltungen.
Für den Bau eines solchen Zentrum bat ich überall um Unterstützung, und ich hatte Gelder bekommen. Wir benötigten jedoch die Genehmigung der Behörden in Kairo. Dies bedeutete, ein Dekret vom Staatspräsidenten zu bekommen, was in Ägypten aber praktisch unmöglich ist.
Ich habe aber deswegen die Hoffnung nicht aufgegeben, und eine Bitte um Baugenehmigung geschrieben. Gleichzeitig aber flehte ich umso inniger die Mutter Gottes um ihre Fürsprache an.
Die bürokratischen Formalitäten erwiesen sich als sehr schwierig und haben über 4 Jahre gedauert. Außerdem verlangten die Wohltäter zu einem gewissen Zeitpunkt die Rückgabe ihrer Spende, da sie merkten, dass mit den Bau nicht begonnen wurde.
Ich war in einem Engpass: entweder diesen Erlass vom Präsidenten zu erhalten, was fast unmöglich war, oder das Geld zurückzugeben, welches ich mit so viel Mühe gesammelt hatte.
Am 14. April 1986 betete ich den Rosenkranz vor der Grotte von Unserer Lieben Frau von Lourdes in meinem Bischofshaus. Ich wandte mich mit den folgenden Worten an die Mutter Gottes: „Schau, wo wir gelandet sind! Die Türen sind verschlossen. Du kennst unsere Probleme, o Mutter. Tu doch etwas!“
Kaum hatte ich die Grotte verlassen, klingelte das Telefon, und eine Dame gab mir Name und Adresse eines General aus dem Innenministerium, der bereit war uns zu helfen.
Zwei Tage später, am Mittwoch dem 16. April, bekomme ich einen weiteren Telefonanruf von einer anderen Dame, die mir eine zweite Adresse gab.
Drei Monate später, am 10. Juli 1986, erfuhr ich, dass es fast sicher sei, dass wir diese Genehmigung endlich bekommen.

Erst am 30. September habe ich den kostbaren Erlass vom Präsidenten erhalten. Er wurde am 19. August 1986 unterzeichnet. Keinen Augenblick habe ich daran gezweifelt, wer der Urheber eines solchen Wunders war: „Danke, o Jungfrau Maria. Dir verdanke ich diese Gnade!“ Am 25. November 1986 legten wir den ersten Stein, und zwei Jahre später, am 25. November 1988 konnten wir das Pfarrzentrum einweihen!

Maria ist wirklich unsere Mutter. Das Volk des Libanons ehrt sie mit dem Titel unsere liebe Frau vom Libanon. Sie ist die Mutter unserer syrischen Kirche und so war die Weihe dieser Kirche an Maria denn auch mein erster Schritt als Patriarch.

Sie ist die Mutter aller Völker
Hier an diesem Gnadenort, an dem man den Geist der Weltkirche atmet, möchte ich ihr erneut meine kindliche Dankbarkeit ausdrücken.
Ich möchte euch alle aus ganzem Herzen dazu ermutigen, die Frau aller Völker, die Mutter der Barmherzigkeit, zu allen Menschen zu bringen.

Maria, die Mutter aller Völker, segne unsere Welt.
Sie stehe beim Vater für uns ein, damit Er uns barmherzig sei und uns den Frieden schenke.
Sie erfülle jeden von euch hier Anwesenden mit Freude, Wohlstand und Liebe.

 
 
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